240 mm f/4,5 Reisedobsons: Fünflinge - Mechanik

Die Eckdaten:

- 240 mm Spiegel mit 15 mm bzw. 18 mm Dicke
- Einring Hut mit exzentrischer Spinne
- Selbstgedrehter 1,25" Helical Crayford Fokusierer
- 6-Stangen Design mit teilweise teilbaren Stangen
- 6-Punkt Spiegelzelle mit lateraler Rollenlagerung. Die Justierung erfolgt von vorn
- Spiegelbox und Wiege aus Flugzeugsperrholz
- Werkzeuglose Montage mit Rändelschrauben
- Gesamtgewicht 4,4 kg + 0,4 kg Gegengewicht

Ansicht von hinten:

Die 2 hinteren langen Stangen aus 15x1 mm Alurohr sind im unteren Drittel mit M5 Gewindestöpseln teilbar ausgeführt, um das Transportmaß zu reduzieren. Die 4 vorderen Stangen aus 12x1 mm Alurohr setzen an den Höhenrädern an.

Zur zusätzlichen Versteifung der filigranen Struktur wird ein 4 mm Seil aus Dyneema (äußerst geringe Dehnung) in Schlaufen um die hinteren Höhenradschrauben geführt und vom oberem Ring aus gespannt. Die Schlaufen sind in Spleißtechnik ausgeführt.

Oberer Ring:

Der Ring ist aus 20x10x1,5 mm Alu Vierkantrohr mit einer Biegemaschine gebogen. An ihm werden die 6 Stangen paarweise mittels kleiner Aluwinkel zusammengeführt und von oben mit M4 Rändelschrauben montiert.

Der 1,25" Okularauszug ist nach Bauart "Helical Crayford" selbst gedreht. Zum Transport kann er bei Bedarf zusammen mit der Befestigungsplatte abgeschraubt werden.

Die Gegenlichtblende ist aus schwarzem 2 mm Schaumstoff aus der Elektroindustrie. Die Innenseite ist schön schwarz und rau. Die Blende passt zum Transport in die Wiege.

Ein effektiver Streulichtschutz ist gerade bei dieser extrem offenen Bauweise wichtig. Dies gilt ganz besonders bei höheren Vergrößerungen, wo das Bild dunkler wird und selbst geringes Streulicht die Deep Sky Details überstrahlt.

Zusätzlich verwende ich daher für die kurzbrennweitigen Okulare Okularblenden aus schwarzem dünnen Schaumgummi, die in Filterhülsen direkt an das Okular Filtergewinde geschraubt werden. Jedes Okular hat entsprechend seinem Feld seine passend dimensionierte Blende, die permanent am Okular verbleibt. Sie wirkt besonders effektiv bei kurzbauenden Fokusierern und Okularen mit weit vorne im Okulartubus sitzenden Linsen.

Fangspiegelhalter und Spinne:

Der 54 mm Fangspiegel wurde mit 3 Silikonblobs mit 1,5 mm Abstandshaltern an eine justierbare Aluplatte geklebt, die über eine Zug gegen 4 Druckschrauben justiert wird. Die exzentrische Spinne nach Typ Ross-Sackett ist aus 1 mm Alublech gefertigt.

Der Fangspiegel wird zum Transport demontiert, um das flache Packmaß zu ermöglichen. Durch kleine Vertiefungen im Gegenblech ist die Montageposition recht gut reproduzierbar, die Justage bleibt beim Aufbau erhalten.

Unterer Tubus:

Die 260x260x54 mm hohe Spiegelbox ist aus 6 mm Flugzeugsperrholz Birke verleimt. An ihr werden die hinteren Stangen mit Kunststoff Kugelköpfen zwischen Aluplatten und die Höhenräder für die Elevationsbewegung geschraubt.

Die Höhenräder sind aus 15x15x1 mm Quadratrohr mit einer Biegemaschine gebogen. Die 10x10x1 mm Verbindungsspeiche ist mittels Knotenblechen angenietet. Der Durchmesser ist mit 490 mm sehr groß gewählt, damit die Drehachse trotz flacher Spiegelbox an den Schwerpunkt herankommt und außerdem das Haltemoment genügend groß wird, um beim Okularwechsel nicht aus der Balance zu kommen. Sie werden mit einer 12x1 mm Querstange und Fahrrad Gangschaltungs- Seilzügen abgespannt. Stefan beschloss, statt statt der Seile gekreuzte Alurohre als Diagonalversteifung zu verwenden.

Am vorderen Teil der Höhenräder sind “Schienen“ aus Kunststoff geklebt, damit beim Schwenk zum Horizont der Tubus nicht aus den Teflon Füßen fällt

Spiegelzelle:

Die 6 Punkt Hauptspiegelzelle besteht aus 10x10x1 mm Alu Vierkantrohr, das mittels Knotenblechen vernietet ist. Darauf können die 3 Wippen aus 15x15 mm U-Profil leichtgängig um einen Stift aus 2 mm Fahrradspeiche pendeln (schwimmende Lagerung). Der Spiegel ruht auf selbstklebenden Teflon Pads und wird lateral mit 2 Kugellagern in 2x45° zur Schwerelinie möglichst reibungsfrei am lateralen Schwerpunkt gelagert.

Justiert wird von vorn mit den 2 mit Federn vorgespannten Rändelschrauben, während der dritte Auflagerpunkt fest an die Spiegelbox verschraubt ist.

Untere Blende:

Durch die extrem flache Spiegelbox "sieht" der Fangspiegel auch an der Spiegelbox vorbei Teile des Untergrundes. Beim Beobachten über hellem Untergrund wie z.B. Schnee verhindert diese "Unterhose", dass Streulicht in das Okular gelangen kann.

Rocker Box:

Die Wiege ist aus Flugzeugsperrholz Birke gefertigt. Der in der Mitte offene Boden besteht aus einem 3 Lagen Sandwich (2+6,5+3 mm). In der Öffnung wird das Basisdreieck mit 3 Kugellagern zentriert. Die Seitenbretter, auf denen die 4 Teflonlager geschraubt sind, sind 6,5 mm dick. Das vordere und hintere Brett hingegen ist nur 3 mm dick, da diese ja nur Zugkräfte aufnehmen müssen. Die Azimutlagerung besteht aus Ebony Star auf 3 Teflon Pads.

Das Basisdreieck ist etwas größer ausgeführt, um der leichten Struktur mehr Standfestigkeit zu verleihen. Es wird mit den Bodenbolzen verschraubt und kann zum Transport in 3 einzelne Stangen zerlegt werden. Bei weichem Untergrund (z.B. Gras oder Schnee) kann man auch längere Schrauben oder Heringe montieren, die in den Boden gedrückt werden.

Justierung mittels Filmdose:

Was wiegt nur 5 g und justiert zuverlässiger als ein Laser? Eine transparente Filmdose mit einer zentrischen 4 mm Bohrung funktioniert nach dem Prinzip Cheshire Justierokular. Beim Blick durch die Bohrung sieht man die Mittenmarkierung des Hauptspiegels und das Spiegelbild der Filmdose Bohrung. Durch justieren an den Hauptspiegel Justierschrauben werden die beiden Bilder zur Deckung gebracht. Im Dunkeln kann man die Filmdose mit der Taschenlampe seitlich anstrahlen, um die Zentralbohrung zu erkennen.

Schwarze Filmdosen funktionieren nicht.

Balance:

Ursprünglich waren die Höhenräder mit Gleitbelägen aus Ebony Star belegt. Die Bewegung war sehr feinfühlig, das Haltemoment jedoch zu gering, um die 240 g schweren Okulare beim Okularwechsel im Gleichgewicht zu halten. Daher wurde das Ebony Star wieder entfernt und das eloxierte Alu läuft direkt auf den Teflon Pads. Bei dem geringen Gesamtgewicht ist die Bewegung trotzdem feinfühlig genug.

Gegengewicht:

Das provisorische 400g Gegengewicht habe ich durch ein gleich schweres Bodenblech aus 1,5 mm Alu ersetzt, das von unten mit der Spiegelbox verschraubt wird. Das Blech wurde ich im Schraubstock abgekantet, sodass es passgenau in die Spiegelbox passt und diese zusätzlich versteift. Damit ist der Tubus mit mittelschwerem Okular genau austariert.

Die zentrale Öffnung dient der besseren Spiegelbelüftung und der einfachere Demontage des Spiegels.

Transport:

Das Teleskop im kollabierten Zustand. Bei Bedarf kann der Okularauszug abgeschraibt werden.

Alle Teile passen in einen Tagesrucksack
Firstlight auf der Plattform der Volkssternwarte

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